Helmut Köhl über „Gruppe aus Gordes“, 2008

Heute, bei der Beschreibung der Entstehungsgeschichte seiner Skulpturengruppe, die Gonn Mosny charmant „meine Jungs“bezeichnet, muss ich zu Beginn die Ausstrahlungskraft erneut bestätigen. Doch kommt für mich da noch etwas Wichtigeres zum Vorschein: „Gonn Mosny’s Arbeiten haben eine überaus starke Anziehungskraft.“

Bei meiner Europareise im Jahr 1998 zu drei der wichtigsten Europäischen Kunstmessen, der Fiac in Paris, der Kunstmesse in Wien und der Art Cologne in Köln lernte ich „Die Jungs“ oder wie wir so schön in Mexiko sagen würden „Gonns Chamacos“ kennen. Es war für mich die wichtigste Begegnung mit einem Kunstwerk, das ich bis heute, also nach 10 Jahren, begleiten darf.

Auf der Fiac in Paris beeindruckte mich vor allem eine Arbeit des von mir bis heute innig geliebten spanischen Künstlers Juan Hernández Pijuan: „Dibuixant els Marges“, 1997.

Die Arbeiten der Gruppe Cobra, in der mich vor allem Karel Appel, Asger Jorn, Henry Heerup, Jens Birkenmose und Gina Pellon, doch noch mehr die meines Freundes Pierre Alechinsky begeisterten, waren ein wirkliches Erlebnis. Ich hatte Jahre zuvor Pierre Alechinsky bei seiner Ausstellung im Museum für Moderene Kunst in Mexiko D.F kennen gelernt und ihn und seine Frau für eine Woche durch die Keraminkdörfer von Oaxaca begleitet.

Auf der Kunstmesse in Wien und in den Wiener Museen beeindruckten mich erneut die namhaften österreichischen Künstler Egon Schiele, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Wolfgang Paalen und Hugo Wulz.

Der Höhepunkt war die Art Cologne in Köln. Gonn Mosnys Skulpturen, die „Gruppe aus Gordes“, die ich selbst nach meinen „Freunden“neben Westminster, den „Bürgern von Calais“ ihm zu Ehren die „Bürger von Gordes“ nennen möchte, liess mich nicht mehr los.

Beim ersten Rundgang durch die Messe verschlug es mir bei der Galerie Benden & Klimczak aus Viersen/Köln buchstäblich die Sprache. Ich sah Menschen, nicht Skulpturen. Menschen, die fühlen, lieben, denken, handeln, hassen, leiden, hungern, Menschen, die mich an den Holocaust erinnerten. Dicke, dünne, kluge und verblödete. Sogar siamesische Zwillinge und eine Stele, die mich an Charles de Gaulle erinnerte.

Beim zweiten Mal sprach mich der Galerist Klaus Benden an und beim dritten Mal fragte er mich, ob ich die Gruppe erstehen wollte. Diese war aber nur für ein Museum bestimmt. Beim vierten Besuch schrieb ich einen Brief an den Künstler Gonn Mosny. Beim fünften Mal war es mir, als ob ich alten Freunden begegnete, und alles war mir wie heimatlich vertraut.

All dies passierte wohl in den Tagen zwischen dem 9. und 11.11.98, wenn ich mich richtig entsinne. Erneut begegnete ich auch Arbeiten von Juan Hernández Pijuan, die ich in Paris nicht gesehen hatte.

Die Dinge nahmen danach ihren Lauf. Im folgenden Briefwechsel zwischen Gonn Mosny und mir entwickelte sich dann diese Freundschaft, die ich zuvor mit der Gruppe aus Gordes gespürt hatte. Hinzu kam noch die Freundschaft zu seiner Frau Barbara, die ich sehr schätze und verehre.

Am 03.03.2001 hatte Gonn Mosny seine erste Ausstellung von Zeichnungen und Ölbildern bei uns im HAUS der KUNST – Brücke für moderne Kunst, in Guadalajara. Jedoch zuvor am 15.02.2001 wurde die „Grupo de Gordes“ im Instituto Cultural Cabanas unter der Direktion von Gutierre Aceves ausgestellt. Diese Ausstellung wurde dann im Anschluss auf drei Monate verlängert.

Die Wege zur Fundación Cultural Omnilife und Jorge Vergara leitete der damalige Direktor des Goethe-Institutes in Guadalajara, Richard Lang, in einem ersten Gespräch ein. Man einigte sich über die Finanzierung der Ausstellung, und dann bei einem Besuch von Gonn Mosny in der Fundación Omnilife bei Jorge Vergara kam es zur Unterzeichnung eines Vertrags. Demzufolge sollte die Grupo des Gordes Teil der permanenten Ausstellung im Museum für Moderene Kunst des berühmten japanischen Architekten Toyo Ito im Centro JVC werden.

Wenn ich erwähnte, dass mir die „Gruppe aus Gordes“ 1998 in Köln heimatlich und vertraut erschien, möchte ich mich dabei auf meine beiden Heimatländer Deutschland und Mexiko berufen. Ich hatte Gonn Mosny mehrfach darauf hingewiesen, dass die „Bürger von Mexiko“die „Bürger von Gordes“ gewiss verstehen und erkennen würden.

Die „Gruppe aus Gordes“ entstand in einer Werkstatt neben seinem Atelierhaus Fontanille im französischen Gordes, in der Nähe von Avignon in der Provence. Dieser Lebensraum während 12 Jahre ließGonn Mosny das Material von archaischen Steinen und uralten Balken lang vergangener Häuser finden. Sein Tun war es zu sehen, aufzunehmen und zusammenzufügen, ohne Spuren seiner Hände zu hinterlassen. Holz und Steine wurden von Gonn Mosny, wie er mir erzählte, wie Zen zusammengefügt, formten sich zu Figuren ohne sichtbaren Eingriff von ihm. Einer der wichtigsten Meister und Lehrer aller Zeiten in meiner schwäbischen Heimat, Willi Baumeister, bei dem Gonn Mosny als einer der letzen Schüler an der Stuttgarter Kunstakademie studierte, hatte ihn in Zen eingewiesen.

Mark Gisbourne schreibt: „Für Gonn geht es um die Vorstellung, sich selbst zu sammeln und wie der Bogenschütze sowohl Körper wie Geist auf einen gegebenen Punkt oder die Zielscheibe zu konzentrieren. Ihn interessieren nicht die metaphysischen und/oder religiösen Aspekte des Buddhismus, sondern die Methode, eine Absicht vollkommen auszudrücken.“

Ich wünsche allen Besuchern der „Gruppe aus Gordes“ ein ähnliches Erkennen und Erleben, eine wirklich innere Begegnung mit ihrer eigenen Situation und Person.

Helmut Köhl
Direktor HAUS der KUNST – Brücke für moderne Kunst
Guadalajara, Mexiko

 

 

 

English version:

Today, upon describing the origin of the sculpture, which Gonn Mosny charmingly names „my boys“, I have to confirm its charisma to start with. But then something even more important surfaces: „Gonn Mosny’s work exerts a strong pull on the onlooker.“

During my trip to Europe in 1998 to attend three of the most important European art fairs, Fiac in Paris, the Kunstmesse in Vienna and Art Cologne in Cologne, I got to know „The boys“or as we would playfully say in Mexico „Gonns Chamacos“. For me it was the most important encounter with a piece of art that I was allowed to escort until today – 10 years after. At Fiac in Paris I was deeply impressed by one work of the Spanish artist Juan Hernández Pijuan, whom I cherish until today: „Dibuixant els Marges“, 1997.

The works of the group Cobra fascinated me, above all the ones of Karel Appel, Asger Jorn, Henry Heerup, Jens Birkenmose and Gina Pellon, but still more those of my friend Pierre Alechinsky. I had met Pierre Alechinsky a year before during his exposition at the Museum of Modern Art in Mexico City and accompanied him and his wife on a one-week trip to the pottery villages in Oaxaca.

At the Kunstmesse in Vienna and in the museum of Vienna I was impressed anew by the famous Austrian artists Egon Schiele, Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Wolfgang Paalen und Hugo Wulz.

The highlight was Art Cologne in Cologne. Gonn Mosny’s Sculptures, the Gordes Group, wich I would like to call in compliment to him the „Citizens of Gordes“ according to my“friends“in Westminster, the „Citizens of Calais“ – had enthralled me.

During my first tour at the fair I was literally left speechless when I visited the Gallery of Benden & Klimczak from Viersen/Cologne. I saw humans not sculptures. Humans, who feel, love, think, act, hate, suffer, and starve, making me think of the Holocaust. Fat, slim, intelligent, gaga. Even Siamese twins and a stele reminiscent of Charles de Gaulle.

On the second visit the Gallery owner Klaus Benden approached me and on the third occasion he asked me if I wanted to buy the group. But it was only intended for a Museum. On my fourth visit I wrote a letter to the artist Gonn Mosny. On the fifth occasion, I felt as if meeting with old friends, and sensed a homelike intimacy.

All this must have happened from November 9 to 11, 1998 if my memory serves me right. I was able to see the works of Juan Hernández Pijuan that I had not seen in Paris.

Afterwards things took their course. During the following exchange of letters with Gonn Mosny a friendship developed as the one I had perceived with the Gordes Group and not to forget the friendship with his wife Barbara whom I deeply admire and appreciate.

On March 3, 2001 Gonn Mosny had his first exposition of drawings and oil paintings at our HAUS der KUNST – bridge for modern arts, in Guadalajara. But before, on February 2, 2001 the Gordes Group was exhibited at the Instituto Cultural Cabanas under the direction of Gutierre Aceves. This exposition was later extended to three months.

The road of Fundación Cultural Omnilife and Jorge Vergara was paved by Richard Lang, the Director of the Goethe Institute in Guadalajara at the time, during a first conversation. The financing of the exhibition was agreed upon and on the occasion of a visit by Gonn Mosny at Fundación Omnilife with Jorge Vergara an agreement was inked. As a result the Gordes Group should become part of the permanent exhibition at the Museum of Modern Art of the famous Japanese Archtitect Toyo Ito at the Centro JVC.

When I mentioned that I had sensed the „Gordes Group“ as intimate and familiar in Cologne in 1998, I refer to my two home countries Germany and Mexico. I had calles Gonn Mosny’s attention on several occasions to the fact that the „Citizens of Mexico“ would certainly understand and recognize the „Citizens of Gordes“

The „Gordes Group“  came into being in a workshop next to his studio in Fontanille in the French town Gordes, close to Avignon in Provence. His habitat for twelve years allowed Gonn Mosny to find material of archaic rocks and ancient beams of houses long bygone. His work consisted of seeing, taking in an piecing together, without leaving a trace of his doing. Wood and stone were coalesced like in Zen, as Gonn Mosny told me, giving shape to figures without a visible interference by him. One of the most outstanding masters and teachers ever in my Swabian home country, Willi Baumeister, had introduced him to Zen. Gonn Mosny had studied under Baumeister at the academy of arts in Stuttgart among his latest students.

Mark Gisbourne writes: „For Gonn it is about the idea to collect oneself and like the archer focus body and mind on a certain point or target. He is not interested in the metaphysical and/or religious aspects of Buddhism, but merely in the method of quintessential expression of an intent“.

I wish all visitors of the „Gordes Group“ a similar experience and identification, a real inner encounter with their own situation and person.

Helmut Köhl
Director HAUS der KUNST- Bridge for modern arts
Guadalajara, Mexico